Dahon Speed P8

Erfahrungsbericht Dahon Speed P8


 

Einleitung
Nachdem ich für meine Homepage einen Bericht über das Thema Faltrad unter 1000 Euro geschrieben hatte, war es an der Zeit in diesem Segment eigene Erfahrungen zu sammeln.

So schaute ich mich in der recht großen Produktpalette von Dahon nach einem Rad mit Big Apple Bereifung (Komfort durch ein einfaches technisches Mittel) und Stahlrahmen um (wegen erhoffter geringerer Geräuschkulisse im Vergleich zu einem Alurahmen sowie dem Verhalten von Stahl bei Ermüdungsbrüchen). Übrig blieb das Dahon Speed P8 in rot. Da ich damals noch nicht wusste, dass auch die Firma ZEG Dahon Fahrräder importiert und Hartje dieses Modell nicht im Programm hatte, besorgte ich mir das Rad über Ebay (das zwischenzeitlich zweite erworbene Dahon Speed P8 jedoch über einen lokalen ZEG Händler). Dazu bestellte ich das Tour Rack und eine Hülle für Bahnfahrten.
Binnen weniger Tage kam das Rad an. Laut Ebay Auskunft war das Rad fertig montiert. Jedoch waren noch einige Einstellarbeiten wie das Nachspannen der sehr lockeren Speichen (dasselbe auch bei dem zweiten erworbenen Dahon, das ich aber sofort in die Werkstatt des Fahrradhändlers schob), Bremsen Justage sowie Zurechtbiegen eines an den Big Apple schleifenden Schutzblech notwendig. Zudem war die hintere Nabe zu stramm eingestellt.

Zwischenzeitlich wurden die beiden Dahon Speed P8 circa 2000 km gefahren. Folgende Erfahrung machte ich:

Handling
Die Rahmengeometrie erscheint mir gelungen. Das Fahrverhalten ist als sehr stabil zu bezeichnen. Auch Geschwindigkeiten von über 50 km/h bergab lassen kein Unsicherheitsgefühl aufkommen. Unebenheiten im Strassenbelag lassen das Fahrrad nicht so schnell von seiner Spur abkommen. Dabei ist das Rad agil und spurtfreudig. Der Rollwiderstand scheint, bedingt durch die Big Apple Bereifung, sehr gering zu sein, was sich unter anderem durch ein sehr leises Reifenabrollgeräusch bemerkbar macht.

Ergonomie
Lenker und Sattelhöhe lassen sich für meine Größe von 1.80 m gut einstellen. Für Leute unter 1,60m ist der Abstand von Lenker und Sattel jedoch als eher groß zu bezeichnen, so dass diese recht gestreckt auf dem Fahrrad sitzen.

Komfort
Passt! Leise und flott gleitet das Dahon über die Straße. Es sind keinerlei Klappergeräusche durch zum Beispiel lose Züge oder Ähnlichem wahrzunehmen. Das mit Abstand leiseste Fahrrad das ich besitze. Die Big Apple Bereifung scheint eine kleine Revolution im Fahrrad Bereich darzustellen. Sie dämpfen nicht nur hervorragend (insbesondere kleine Unebenheiten, bei großen sind diese überfordert), sondern bewähren sich auch auf losem Untergrund wie Rollsplitt, indem diese das Rad sicher in der Spur halten. Somit sind diese meines Erachtens nicht nur ein Komfort- sondern auch ein Sicherheitsgewinn, der bei den kleinen Rädern noch mehr ins Gewicht fällt. Der standardmäßig montierte Biologic Sattel ist komfortabel, verliert jedoch schnell durch Reibung mit der Hose seine seitliche Beschriftung, was jedoch unerheblich ist.

Falten und Tragen
Das Falten ist nach einigem Üben unproblematisch, wobei es bei mir noch ein wenig länger als bei meinem Birdy dauert. Für den Faltvorgang muss der höhenverstellbare Lenker in eine bestimmten Höhe stehen, um den Rahmen nicht zu beschädigen. Dies erreichte ich durch das Anbringen eines Stück alten Schlauchs, das ich durch Doppelklebeband in der Höhe justierte. Dadurch kann der Lenker vor dem Faltvorgang ohne Probleme in die richtige Höhe gebracht werden.



Abbildung 2: Dahon Speed P8 - Justage der Höhenverstellung mit Fahrradschlauch

Das Tragen gestaltet sich im gefalteten Zustand im Vergleich zum Birdy mit der alten Rahmenform etwas schwerer. Das alte Birdy Green ist beim Tragen (nicht gefaltet) schön ausbalanciert - abhängig jedoch von der Ausstattung variiert die Gewichtsverteilung vorne/hinten und dadurch die Balance.
Das Fahrrad steht im gefalteten Zustand sehr stabil, so dass man sich insbesondere in öffentlichen Verkehrsmittel nicht ständig Gedanken machen muss, dass das Rad umfällt. Das Fatmas ist im Vergleich zu meinem Birdy Green mit Brooks Sattel, Komfort Vorbau sowie Lowrider (Maße jeweils in Länge, Höhe, Breite)

Birdy (85cm x 64cm x 41 cm) Dahon Speed P8 (80cm x 67cm x36 cm).

Schaltung
Die Sram X7 schaltet exakt und schnell, wohl vergleichbar mit einer Shimano Deore. Die Übersetzung ist mit einer Entfaltung von circa 2,60m bis 7,56m als tendenziell sportlich zu bezeichnen. Eine Tour mit Gepäck und langen Bergen wird wohl nur mit vermehrter Kniegelenk Beanspruchung zu bewältigen sein. Es sollte aber kein Problem darstellen den vorderen Zahnkranz vor einer Tour gegen einen Kleineren zu tauschen.

Vorbau/Scharniere
Der Vorbau ist bekanntlich einer der sensibelsten Teile eines Faltrads. Mir sind schon Brüche an Dahons sowie an Birdys zu Ohren gekommen. Der schwarze Vorbau des Dahon ist leicht faltbar sowie stufenlos höhenverstellbar. Zudem verfügt er über eine zusätzliche Sicherung des Faltscharnierhebels, der nicht nur psychologisch gesehen “Wunder” tut, sondern auch sehr sinnvoll erscheint. Jedoch könnte der Vorbau meines Erachtens steifer sein. Dahon scheint  diesbezüglich im Modell Jahrgang 2008 nachgebessert zu haben.



Abbildung 3: Dahon Speed P8 Sicherung Vorbauscharnier

Das Faltscharnier des Rahmens ist sehr einfach zu bedienen und ohne große Kenntnisse einzustellen. Auch dieses verfügt über eine zusätzliche Sicherung gegen unbeabsichtigtes Lösen.

Bremsen
Gute Dosierbarkeit, dabei eine kräftige Bremswirkung die vollkommen ausreichend ist, so kann man die Avid V-Bremsen am Dahon Speed P8 bezeichnen. Jedoch haben einige Bemühungen meinerseits das etwas „unrunde“ Ziehen der Bremsen nicht vollständig beseitigen können. Diese ist bei beiden Fahrrädern vorhanden, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung.

Lackierung
Die Farbe ist (m)ein Traum. Jedoch ist der Lack nicht stoßfest. Auf Stöße kam es bei einem Modell zu einem kreisrunden Ablöser von 1cm Durchmesser. Die Grundierung ist jedoch dick und standhaft. Mit der Zeit weis man jedoch die genauen Einstellungen zum Falten, so dass die Anzahl der Beschädigungen abnimmt. Jedoch bedingt durch den Faltvorgang und das Umhertragen in engen Räumen wie öffentlichen Verkehrsmitteln wird ein Faltrad in diesem Aspekt immer extrem strapaziert werden.

Gepäcktransport
Ich hatte mir von Anbeginn das Tourrack von Dahon montieren lassen. An dieses passen zu meiner Überraschung sogar die großen Backroller Classic von Ortlieb. Eine feine Sache. Jedoch ist der Gepäckträger von Dahon „nur“ bis 12 kg zugelassen. Ich hatte einmal einen Versuch mit circa 30 kg Zuladung gemacht. Dies war eine wackelige Unternehmung die nicht nachahmenswert ist. Bis zu 20 kg würde ich mir persönlich jedoch keine Sorgen machen. Jedoch gibt es beim Schweizer Dahon Importeur einen Gepäckträger von Pletscher mit 25 kg Zulassung zu erwerben.

Fazit
Das Dahon Speed P8 ist ein sehr komfortables, schnelles und leises Faltrad zu einem äußerst attraktiven Preis, das mich durch sein Handling sowie die Qualität seiner Komponenten in dieser Preisklasse vollkommen überzeugt hat. Sein Fahrverhalten ist als agil und gutmütig zu bezeichnen, so dass auch ungeübte Faltrad Fahrer sich in kurzer Zeit darauf wohl fühlen. Abstriche sind jedoch bei der Schlagfestigkeit der Lackierung, den leicht “unrunden” Bremsen  sowie der Steifigkeit des Vorbaus zu machen.

Update November 2009
Das Dahon Speed bewährt sich im Pendleralltag sowie bei Tagestouren. Die gute Kippsicherheit im zusammengefalteten Zustand sowie die gute Tragbarkeit im gefalteten wie ungefalteten Zustand sind beim Pendeln sehr viel wert. Steht das Dahon neben oder vor dem Sitzplatz kann der Gepäckträger unter anderem als Buchablage verwendet werden :-)

Defekte nach ~ 3000 km: Keine
Einzig der Lack ist sehr stoßempfindlich.
Der SRAM Drehgriffschalter für die 8 Gang Schaltung verstellt sich gerne. Ein kleines Streicholzstücken an der richtigen Stelle verhindert dies jedoch.
Die Faltscharniere funktionieren tadellos (natürlich müssen diese regelmäßig kontrolliert und nachjustiert werden).