Birdy Green

Erfahrungsbericht Birdy Green Modell 2002

 

Zusammenfassung

Knapp 3 Jahre und 4000 km auf meinem Birdy lassen sich folgendermaßen zusammen fassen:

  • Mein Mobilitätsverhalten hat sich nachhaltig geändert. Dies kommt nicht nur der Umwelt und meinem Geldbeutel, sondern und auch insbesondere meiner Gesundheit zugute.
     
  • Das Birdy hat sich als ein robustes und zuverlässiges Fahrrad erwiesen, das nicht nur agil und handlich ist, sondern auch große Freude am Fahrrad fahren vermittelt.
     
  • Nach einigen Umbauten entspricht das Birdy Green zunehmend meinen persönlichen Bedürfnissen.
     

Einleitung
Im Herbst 2005 stieß ich in der Zeitschrift des VCD auf einen Beitrag über Falträder. Dieser “elektrifizierte” mich umgehend und ich begann im Internet nach Information über die verschiedenen Faltrad Hersteller zu suchen. Zum dortigen Zeitpunkt waren die Informationen im Internet äußerst spärlich gesät. Jedoch - eine große Ausnahme waren die Seiten der Birdy Freunde, die von Peter de Leuw, einem aktiven Fahrrad- und Faltradfahrer gestaltet werden. Ich war schlichtweg fasziniert von der Fülle der Information, die er über die Jahre auf dieser Seite zusammengetragen hatte. An dieser Stelle möchte ich mich bei Peter de Leuw vielmals für sein großes Engagement bedanken.

So wurde zunehmend klar: ein Birdy musste es sein. Wie der Zufall es wollte, stellte die Firma Riese und Müller im Dezember ihr neues Modell vor. Ich bekam die Gelegenheit bei einem Tag der offenen Tür alle neuen Modelle der Birdy Reihe Probe zu fahren. Danach war mein Entschluss endgültig sicher. Ein Birdy musste es sein. Jedoch besann ich mich darauf, den Einstieg mit einem gebrauchten Birdy zu versuchen. So platzierte ich umgehend eine Suchanzeige auf dem Marktplatz der Birdy Freunde. 10 Tage später war ich Besitzer eines Birdy Green Modell 2002

 

Die ersten Eindrücke
Knapp drei Jahre später fällt es nicht leicht diese zu rekapitulieren. Jedoch eines hat sich festgebrannt: es machte von Anfang an große Freude mit dem Birdy unterwegs zu sein. Zu Beginn fühlte sich das Ganze etwas wackelig an, mit der Zeit genoss ich jedoch die Wendigkeit, Agilität des Birdy. Immer wieder musste ich mich dazu ermahnen langsamer zu fahren -:) . Mit der Zeit kamen natürlich einige Änderungswünsche auf, die ich Stück für Stück in den folgenden Jahren verwirklichte.

 

Bremsen
Die Bremsen an meinem Birdy Green waren wirklich nicht lobenswert. Die vordere V-Brake benötigte eine sehr kräftige Hand, die hintere Rücktrittbremse der Shimano Nexus Inter 7 Nabenschaltung war nur sehr schlecht dosierbar. Eine etwas längere Recherche und folgende Umbauten lösten das Problem für mich zufriedenstellend:

  • Ich wechselte den Bremsgriff der V-Brake für einen in der Bremskraft einstellbaren Bremshebel der Firma Shimano mit der Bezeichnung BL-M571Shimao LX. Meine aktuelle Einstellung an der Bremse ist auf “High Power”. Seither ist die Bremse sehr gut zu dosieren und die Bremsleistung sehr gut.
     
  • Im Zuge eines Wechsel auf die neue Shimano Inter- 8 Nabenschaltung mit Rücktritt konnte ich auch das Problem des Rücktritts lösen. Der Rücktritt der Inter-8 ist wesentlich besser zu dosieren und dabei auch kräftiger.

Somit habe ich für meine örtliche Bedingungen hier im Kraichgau ein sehr zufriedenstellendes Bremssystem. Jedoch stößt  dieses bei längeren und steilen Bergabfahrten an seine Grenzen. Dies kann ich immer mal wieder bei der Abfahrt von der alten Weinsteige in Stuttgart feststellen. Diese erstreckt sich über circa 200 Höhenmeter mit teilweise deutlich über 13%. Hier wage ich es nicht über 25 km/h zu fahren. Die Rücktrittbremse benutzte ich nur mit Bedacht. Diese neigt bekanntlich dazu heiß zu werden. Die vordere V-Brake macht im Verlauf der Abfahrt mit einem leichten Fading/Nachlassen der Bremsleistung auf sich aufmerksam. (Wer mehr über  das Thema Bremsen und Birdy erfahren möchte, dem empfehle ich die Mailingliste der Birdy Freunde zu besuchen.)
 

Schaltung
Vom Werk aus war das Birdy Modell 2002 mit einer 7 Gang Nexus Inter 7 ausgestattet. Diese funktionierte ohne Tadel, jedoch fehlte nach meinem Ermessen für meine Region genau ein Gang, nämlich ein Berggang. So hatte ich mich entschieden, die Nabe gegen eine neue Nexus Inter-8 auszutauschen. Dies war die richtige Entscheidung. Die Berggängigkeit ist für mich jetzt akzeptabel. Es lassen sich damit bei einer Entfaltung von ~ 2.09 -6.39m auch mittellange Steigungen mit deutlich über 10% erklimmen. Bergab lässt es sich gut bis 40 km/h treten.

Bisher bin ich circa 3000 km mit der Nabe gefahren. Probleme gab es bisher keine. Etwas kritisch ist jedoch der fünfte Gang beim hoch- sowie herunterschalten. Die Gänge 7 und 8 sind zudem nach meinem Empfinden etwas laut. Die 7 Gang Nabe war, wie ich mich erinnere, wohl etwas leiser.

Nachtrag Januar 2009: die Nexus Nabe lief rauh, als ob ein Lager ohne Fett ist - ich musste diese gegen eine Neue Nabe tauschen.

 

Gepäck
Bisher nutze ich für den Gepäcktransport die Lowrider sowie eine Umhängetasche. Für die hinteren Gepäckträger Versionen (siehe dazu die Homepage von Riese und Müller) konnte ich mich wegen dem Gewicht nicht erwärmen (bis zu 800g). Bei einem Faltrad, das immer wieder zum Pendeln eingesetzt wird, ist das Gewicht von entscheidender Bedeutung. Das wird einem spätestens in einem überfüllten Zug bewusst werden, wenn man das Faltrad zwischen den gedrängten Menschenmassen zum Ausgang balancieren muss. Aktuell habe ich mich für das Gepäckträgersystem von In-Sy entschieden, nachdem meine Frau dies seit über einem Jahr mit Zufriedenheit einsetzt. Das In-Sy System besteht aus einem Rucksack und einem maximal 95g leichten Halter, der am Sattelgestell befestigt wird. Der Vorteil des Systems gegenüber einem Gepäckträger ist, dass dieses das Faltrad unwesentlich schwerer macht und das Gewicht des Gepäcks zum Beispiel beim Treppen tragen auf den Schultern liegt, wo es wesentlich weniger belastet, als wenn man dieses, neben dem Birdy in der einen Hand, mit der anderen Hand tragen muss. Natürlich sollte man, je nach Fahrergewicht  die Sattelstütze des Birdy nicht zu sehr belasten.

 

Reifen
Aufgezogen waren die Maxis. (siehe auch die Seite Reifenkunde bei den Birdy Freunden). Diese gefielen mir nicht. Ich wollte einen Reifen mit mehr Profil für eine bessere Haftung auf Waldwegen. Hier kam mir Christoph Beck, seit „Ewigkeiten” als der Spezialist in Sachen Faltrad bundesweit bekannt, mit seiner herzlichen und fröhlichen Art zur Hilfe, indem er mir ein Paar der zwischenzeitlich nicht mehr erhältlichen Schwalbe Marathon besorgte. Diese sind jetzt gut 3000 km ohne Panne gefahren. Bei 80 kg Körpergewicht fahre ich diese zwischenzeitlich vorne mit 3,5 und hinten mit 4 bar. Mehr Druck bringt vom Rollwiderstand meines Erachtens wenig, für mich persönlich auf alle Fälle im Verhältnis zu der damit verbundenen Komforteinbuße. Davor pumpte ich die Marathons auf 6 bar auf. Da war mir das Birdy jedoch viel zu hart und zu “schepprig”.
Als nächstes werde ich ein Paar Big Apple von Schwalbe aufziehen. Mit diesen habe ich bisher auf circa 2000 km mit einem
Dahon Speed P8 bezüglich Komfort, zum Beispiel auf Kopfsteinpflaster, Haftung auf Waldwegen sowie Pannensicherheit gute Erfahrung gemacht. Die Big Apple sollten meines Erachtens die Birdy Federung insbesondere auf Kopfsteinpflaster sinnvoll ergänzen.

Nachtrag Januar 2009: Das Birdy läuft mit den Big Apple Bereifung deutlich leiser und komfortabler. Die Investition lohnt sich auf alle Fälle.

Geräusche?
Um nicht um den heißen Brei herumzureden: das Birdy ist kein leises Fahrrad. Es klappert an den verschiedensten Stellen. Mal sind es die V-Brakes, bei der alten Rahmenform regelmäßig die verschieden Züge, die wegen des Faltvorgangs recht lose in großen Ösen geführt werden. Bei der neuen Rahmenform seit Ende 2005 laufen die Züge jedoch im Rahmen. So werden diese Modelle von dieser Seite wohl leiser sein. Bei meinem Green waren es die Züge. Denen habe ich die “Schepperei” durch das Anbringen von Klettpads an den entsprechenden Stellen abgewöhnt. Jetzt ist es noch die Nexus Getriebenabe die insbesondere über Kopfsteinpflaster laut wird. Ich bin gespannt wie sich diese Geräuschquelle mit den Big Apple Bereifung verändern wird, wenn dann die Nabe durch den geringen Luftdruck der Big Apple Bereifung (ich denke an 2,5-3 bar anstatt 4 bar mit den Marathon Reifen) weniger durchgeschüttelt werden wird. (So im Januar 2009 geschehen: mit den Big Apple Bereifung und 2,5 bar ist das Birdy schön leise geworden).

Verschleißteile in 4000 km

  • Ein paar Bremsbeläge vorne
  • Hinterrad Reifen zu circa 70% abgefahren, Vorderradreifen vielleicht 30%- 40%
  • Eine Kette
  • Vorbau - dieser sollte beim Birdy laut Riese und Müller aus Sicherheitsgründen alle drei Jahre gewechselt werden.
  • Im Januar 2009 eine neue Nexus Inter 8 Nabe (Reparatur war zu aufwendig)
     

 

Fazit
Wie schon berichtet, hat sich mein Mobilitätsverhalten durch das Birdy grundsätzlich und nachhaltig geändert. Dies kommt mir und meiner Umwelt zugute. Eine Begleiterscheinung ist eine gewisse Unabhängigkeit die ich durch das Faltrad erhalte, und damit einhergehend, ein Stück zusätzliche Lebensfreude in meinem Alltag. (siehe auch die Seite Faltrad). Der einzige Nachteil erscheint mir bis heute beim Birdy der “relativ” hohe Preis zu sein. Darüber muss aber schlussendlich jeder für sich selber entscheiden.

 

Bruchsal im Februar 2009